1992: Prof. Dr. Jakob Muth

Prof. Dr. Jakob Muth

erhielt den Comenius-Preis in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Integration behinderter Kinder. Er hat in Wort, Schrift und Tat über Jahrzehnte hinweg Schulen, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern nachhaltig unterstützt, damit behinderte Kinder in das allgemeine Schulwesen integiert werden können.
Biographie
In Gimbsheim in Rheinhessen, dem Land zwischen Mainz, Worms, Bingen und Alzey, bin ich am 30. Juni 1927 geboren worden. Dort wurde ich 1933, im Jahre der nationalsozialistischen Machtübernahme, in die Schule aufgenommen. Mein Schulweg führte über die dörfliche Volksschule in ein Internat des Nationalsozialismus, das ich bis zum Jahre 1944 besuchte. Im letzten Kriegsjahr war ich Soldat, geriet in amerikanische Gefangenschaft und war nach der Flucht schon bei Kriegsende wieder zu Hause. Mir hat sich in den folgenden Jahren besonders von der Zeit meines eigenen Lehrerstudiums an immer wieder die Frage nach den Möglichkeiten absichtlicher Erziehung gestellt. Ich bin sicher, daß sie wenig vermag. Nach dem Kriege lernte ich Maurer mit einem Umschulungsvertrag für achtzehn Monate und arbeitete beim Wiederaufbau von Mainz. In den Jahren 1947/48 besuchte ich erneut ein Inter- nat und anschließend die Pädagogischen Akademien in Bad Neuenahr und Worms. Im Sommer 1950 lege ich die Erste Prüfung für das Lehramt an Volksschulen ab und wurde in Mainz als Lehrer angestellt. Würde ich eine Autobiographie schreiben, müßte sie mit diesem Zeitpunkt enden, denn das ist der relative Endpunkt meines Individuationsprozesses. Zum Teil neben dem Lehramt, zum Teil ausschließlich studierte ich an der Universität Mainz und promovierte 1958 bei Theodor Ballauff mit einer Dissertation über „Vorberufliche Erziehung in der Volksschule“. Im gleichen Jahre wurde ich Dozent an der PH Worms, zwei Jahre später Professor an der PH Kettwig/Duisburg. Von 1962 bis 1964 war ich Rektor dieser Hochschule. Seit 1970 lehre ich Schulpädagogik an der Ruhr-Universität Bochum. Von 1968 an war ich Vorsitzender der Kommission, die neue Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen entwickelt hat. 1970 wurde ich als Mitglied in den Deutschen Bildungsrat berufen. Ich hatte den Vorsitz des Ausschusses Sonderpädagogik, der die „Empfehlung zur pädagogischen Förderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendlicher“ erarbeitet hat, und gehörte dem Bildungsrat bis zu seiner Auflösung im Jahre 1975 an. Von 1976 an arbeitete ich in der Wissenschaftlichen Beratergruppe Gesamtschule des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit 1953 bin ich mit Marianne Fölsing verheiratet. Wir haben gemeinsam an der Pädagogischen Akademie Worms studiert. Wir sind die Eltern von zwei inzwischen erwachsenen Kindern.

Jakob Muth verstarb – viel zu früh – am 26. April 1993.